WEITERBILDUNG: KÖRPERORIENTIERTE TRAUMA-ARBEIT UND HOCHSENSIBILITÄT

Regulationsfähigkeit und Selbstverbindung stärken

Trauma und Hochsensibilität stehen häufig in einer engen Beziehung zueinander. Ein Trauma kann die Entwicklung der Hochsensibilität begünstigen, andersherum neigen hochsensible Menschen eher zur Traumatisierung. (siehe hierzu auch Trauma und Hochsensibilität)

Bei Aurum Cordis haben wir in der Begleitung hochsensibler Menschen beobachtet, dass sie durch unterstützende Elemente und Werkzeuge aus der körperorientierten Trauma-Arbeit stark profitieren. Im Verlauf der Begleitung wachsen sowohl Widerstandskraft als auch Flexibilität. Die aus fünf dreitägigen Modulen bestehende Weiterbildung richtet sich daher auch an Begleiter, die über die gemeinhin mit Trauma assoziierte Posttraumatische Belastungsstörung hinaus, das Feld der Entwicklungstraumata und/oder Hochsensibilität in ihre Wirksamkeit einbeziehen möchten.

Trauma: Ein Perspektivwechsel

Trauma beschreibt das Erleben eines überwältigenden Ereignisses, das für den betroffenen Menschen nur schwer bis gar nicht zu verarbeiten ist. Häufig wird damit das Bild der Posttraumatischen Belastungsstörung gleichgesetzt, die aus dem Fehlen der Werkzeuge zur Verarbeitung des traumatischen Erlebnisses entstehen kann und das weitere Leben des Betroffenen als eine ständig wiederkehrende Einschränkung oft wesentlich bestimmt.

Dazu können solche Erscheinungen gehören wie z.B. ständige hohe Stressbelastung, Übererregbarkeit, Erstarrung ohne Handlungsimpuls, depressive Verstimmungen unterschiedlicher Intensität, dauernde Müdigkeit, Dissoziation verbunden mit Vitalitätsverlust – aber auch die Unfähigkeit, Dinge beenden zu können sowie “Flash-Backs” und Immobilität.

Aus diesem Blickwinkel resultiert die Betrachtung von Trauma als einer schweren Erkrankung. Im eigentlichen Sinne bedeutet Trauma aber weder Krankheit noch Störung. Trauma stammt vom griechischen Wort für Wunde und beschreibt eine Verletzung des Menschen, in der er in einem Gefühl des Ausgeliefertseins und der Hilflosigkeit hängen geblieben ist. Auch, wenn das Ereignis längst vorüber ist, bleibt seine Spur danach im Körper gespeichert.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie wichtig das Einbeziehen von Entwicklungs- und Bindungstrauma, oder auch generationsübergreifender Traumata in der Begleitung von (hochsensiblen) Menschen ist, und gleichzeitig die unerlässliche Professionalität, zwischen Gesundheit und Pathologie zu unterscheiden. (siehe hierzu auch Trauma und Hochsensibilität)

Integration von Trauma: Die non-verbale Sprache des Körpers entschlüsseln

Aufgrund der Neuroplastizität des Gehirns besitzen wir grundsätzlich die Fähigkeit, ein Trauma gut zu verarbeiten. Mit Hilfe empfindender Körperarbeit sind wir als Menschen in der Lage, uns durch emotionalen und physischen Schmerz hindurch zu bewegen und so wieder Zugang zu tiefer und flexibler Gesundheit zu finden.

Dafür braucht es das Verständnis für die Körpersignale als jener non-verbalen Sprache, über die sich die Befindlichkeit des Autonomen Nervensystems zu erkennen gibt. Dieses Verständnis zurück zu gewinnen, ist jedoch gar nicht so einfach. Zum einen kann diese Sprache in ihrem Beitrag zur Lösung alter, im Körper gespeicherter Erinnerungsmuster durchaus körperliche Entlastungsreaktionen hervorrufen, die im sozialen Umfeld zumeist auf wenig Verständnis stoßen.

Zum anderen findet sie als direkte Verbindung zur Körperweisheit in einer mental geprägten Welt kaum noch Beachtung und wurde in großen Teilen aus dem Bewusstsein der Menschen verdrängt. Wir haben vergessen, eine uns allen unmittelbar zur Verfügung stehende Sprache zu lesen und zu übersetzen.

Umso mehr gilt es, anzuerkennen, dass unser Intellekt und unser Wille zwar versuchen zu verstehen und zu verändern, dass jedoch gerade sie in der Regel nicht die entscheidenden Instrumente bieten, um an entscheidender Stelle eine Lösung herbeiführen zu können.

Unbestritten brauchen wir unseren Intellekt, um die unterschiedlichen Phasen einer biologischen Reaktion auf extreme Reize zu verstehen, aber darüber hinaus geht es um ein genaues Hinhören, damit dem Körper geholfen werden kann, die schwierigen Erfahrungen zu transformieren. Daraus kann sich eine größere Flexibilität, eine größere Wahlmöglichkeit im Verhalten und in der Wahrnehmung und somit Gesundheit und Selbstwirksamkeit entwickeln.

Persönliche Wachstumsprozesse anstoßen: Trauma und Spiritualität

Die Erfahrung einer Traumatisierung erinnert uns an unsere stets vorhandene hohe Verletzlichkeit. Sie kann uns real oder gefühlt in Todesangst versetzen, und uns infolgedessen in die Auseinandersetzung mit Endlichkeit und Lebenssinn führen. Manche traumatisierte Menschen beschreiben das erstmalige Erleben eines Gefühls des Eingebunden Seins in “etwas Größeres”, eine Erfahrung, die sie mit vielen hochsensiblen Menschen teilen. Beide sind Grenzgänger an den Rändern der für unser Auge sichtbaren Welt.

Ebenso wie ein Trauma uns von schmerzlichen Empfindungen abtrennen kann, kann es uns aber auch von der Liebe und von unserem Herzen, unserer spirituellen Quelle abschneiden. Wenn wir uns behutsam und mit der Hilfe eines erfahrenen Begleiters auf die Sprache unseres Körpers einlassen, können wir dieser Quelle wieder näherkommen.

Während ohne die entsprechenden Ressourcen die Vitalität des traumatisierten Menschen in ewigen Abwehrreaktionen in der Vermeidung der Konfrontation mit dieser Verletzlichkeit gebunden bleibt, erlaubt die Arbeit über den Körper die Entwicklung feiner Handwerkszeuge, um sich bewusst durch die schmerzhaften Erfahrungen zu navigieren und die gebundene Energie wieder befreien zu können. Darin liegt ein tiefer persönlicher Wachstumsprozess, der auch den Bereich spiritueller Erfahrungen berührt.

In der damit verbundenen inneren Öffnung entsteht über die tiefe Begegnung mit sich selbst hinaus eine andere Form von Verstehen und Kommunikation mit den “Mit-Wesen” auf dieser Erde.

Ziel der Weiterbildung

Ziel der Weiterbildung ist es daher, Begleiter auszubilden, die dieser Sprache kundig sind und als geübte Übersetzer der Körpersignale belastete und traumatisierte Menschen darin unterstützen können, ihren physischen Körper aus einschränkenden Erinnerungsmustern zu befreien und in eine differenziert erlebte Lebendigkeit zurück zu führen.

Welche Fähigkeiten des Begleiters müssen dafür ausgebildet werden?

Um die Selbstheilungskräfte eines Menschen mit einem durch ein traumatisches Erlebnis hoch erregbaren Autonomen Nervensystems einladen zu können, muss der Begleiter darin geschult sein, in sich selbst Klarheit und Bewusstsein über die eigenen Körperreaktionen sowie Präsenz entwickeln zu können. Darin liegt die Voraussetzung, einen sicheren, heilsamen Raum entstehen lassen zu können, in dem ein Angebot von Neuorientierung für den Klienten möglich werden kann.

Im Bewusstsein für die Kraft eines Trauma-Sogs sollte der Begleiter über Fähigkeiten verfügen, mit dem Klienten an Ressourcen zu arbeiten, die diesen am Rand des Traumas halten, ihn jedoch nicht einer erneuten Konfrontation aussetzen.

Der Begleiter muss darin geschult werden, ein klares Bewusstsein für die Qualität der eigenen Absichtslosigkeit und die Fähigkeit zu entwickeln, immer wieder in diesen Zustand zurückkehren zu können. Im Verständnis für seine eigenen Körpersignale kann daraus die Souveränität entstehen, die “Weite” des heilsamen Raumes durch das Angebot unterschiedlicher “Treffpunkte” mit dem Klienten flexibel zu gestalten, so dass sich dessen empfindliches Nervensystem daran herunter regulieren kann.

Affektreaktionen und überschießende, der Gegenwart nicht mehr entsprechende Reaktionen des Autonomen Nervensystems können auf diese Weise abgebaut werden.

Folgende Fachthemen werden vertieft:

  • Wichtigkeit der Ressourcen- und Gesundheitsorientierung
  • Einfluss der inneren Haltung des Begleiters auf die Qualität des Prozesses
  • Bewusste Steuerung der Aufmerksamkeit
  • Die Rolle des inneren Beobachters oder Beobachterin in der Trauma-Arbeit
  • Klärung von Grenzwahrnehmung auf körperlicher, emotionaler, mentaler und spiritueller Ebene
  • Polyvagale Theorie (Stephen Portes)
  • Arbeit mit dem SIBAMO-Modell
  • Funktionsweise des Autonomen Nervensystems
  • Verständnis von Desidentifikation in der Trauma-Arbeit
  • Dissoziation
  • Die Bedeutung von Bindung und Bindungsstilen in der Trauma-Arbeit
  • Embryonale Entwicklung und Reflexe
  • Entwicklungstrauma und Selbstregulation
  • Verlangsamung und Beschleunigung in der Trauma-Arbeit
  • Ganzkörperaktivierungen
  • Arbeit mit Tönen als direkter, non-verbaler Zugang zum Autonomen Nervensystem
  • Prozess- und Trauma-Aufstellungen
  • Wahrnehmungsschulung und meditative Praxis

Inhalte der Weiterbildung “Körperorientierte Trauma-Arbeit”

  • Handwerkszeuge, mit denen die Selbstregulationsfähigkeit und die Differenzierungsfähigkeit menschlicher Wahrnehmung vertieft werden können
  • Übersetzung der Signale des Autonomen Nervensystems auf unserer Reise vom Embryo bis zum Erwachsenen in eine nicht bewertende Sprache
  • Integration systemischer Arbeit in den Prozess, um einen Perspektivenwechsel von der Pathologie zur Gesundheit einzuladen
  • Vermittlung von Fähigkeiten zur Wahrnehmung von Grenzen und ihrer Transformation in Flexibilität
  • Gewinn von Sicherheit durch die Schulung von Orientierungswahrnehmung als überall einsetzbares “Gesundheits-Tool”
  • Verständnis für Bindungsformen und deren Integration in ein kohärentes Erleben
  • das Verständnis von embryonalen Reflexen in ihren Auswirkungen bis ins Erwachsenenalter
  • die Fähigkeit zum Erkennen von Regulationsmechanismen als Überlebensstrategie und deren Einsatzmöglichkeiten im Prozess
  • Fokussierung von Aufmerksamkeit - als “Gleichzeitigkeitsbewusstsein” im Alltag nutzbar
  • Übungen zur Integration unterschiedlicher Wahrnehmungskompetenzen in ein kohärentes Erleben
  • Praxis des absichtlosen Lauschens anstelle des aktiven Tuns
  • Arbeit an den gegenwärtig präsenten Prozessen anstatt einer Suche nach Ursachen oder Ereignissen in der Vergangenheit
  • Die Lebensenergie wird zurück gewonnen und in den Fluss des Lebens integriert

Alle Module bestehen aus Vermittlung von unfangreichem Wissen und Methodenkompetenz in körperorientierter Trauma-Arbeit, Selbsterfahrung und Gruppenarbeit.
Nach unserer Erfahrung kann es in Fragen der persönlichen Klärung sinnvoll sein, zusätzliche Einzelsitzungen bei Andrea Wandel in Anspruch zu nehmen. Eine frühzeitige Buchung wird sehr empfohlen. Einzelsitzungen bei Andrea Wandel sind nicht in der Weiterbildungsgebühr enthalten.

Termine der einzelnen Module sowie den Preis der Weiterbildung finden Sie hier: Weiterbildung Körperorientierte Trauma-Arbeit

Wann könnte die Weiterbildung für Sie interessant sein?

Diese Weiterbildung richtet sich an professionelle Begleiter, die mit Menschen in starken Belastungssituationen arbeiten möchten.
Sie finden sich in sozialen, therapeutischen, beratenden oder coachenden Berufen. Im Einzelnen sind es Menschen, die in Ausübung ihrer Tätigkeit Gefühle

  • von Hilflosigkeit
  • von Müdigkeit
  • Hohe Anspannung
  • immer wieder kehrende Fragen
  • Sehnsucht nach Lösungen
  • Erscheinungen des Helfer-Syndroms
  • Projektionen und innere Stressdialoge im Kontakt mit anderen Menschen kennen und diese beruflichen Herausforderungen in einen kraftvollen Umgang mit ihren Klienten wandeln möchten.

Es sind Menschen

  • die ein verwirrendes Gefühl von “Nicht-Ganz-Sein” erleben und die fehlenden Anteile einladen möchten, um die Begleitung auf ein übergeordnetes Niveau für neue Lösungsansätze zu bringen
  • die auf der Suche nach Möglichkeiten sind, ihre Wahrnehmungen und Interventionen im Begleitungsprozess weiter zu verfeinern und zu differenzieren
  • die Grenzen aufsuchen, neugierig erforschen und in Grenzverhandlungen treten in der Beziehung zu sich selbst und anderen
  • die ihre eigene Entwicklung sowie die Potenziale anderer Menschen fördern möchten

Gewinn aus der Weiterbildung:

  • Fachliche Qualifikation in der Arbeit mit traumatisierten und belasteten Menschen
  • Ein ausgeprägtes Bewusstsein für das Tun durch Nicht-Tun
  • Neues Verständnis in der Begleitung hochsensibler Menschen, die aufgrund dieses Persönlichkeitsmerkmals mit einem hocherregbaren Autonomen Nervensystem leben
  • Umgang und Co-regulation mit Klienten, die vorübergehend ihre Selbst-Regulationsfähigkeit verloren haben
  • Zusätzliches Wissen und Erfahrungen aus der körperorientierten Trauma-Arbeit
  • Professionelle Positionierung in einem wachsenden Beratungs- und Betreuungssumfeld
  • Kraftgewinn für Menschen, die aus tiefer, innerer Überzeugung mit hoch belasteten und traumatisierten Menschen arbeiten
  • Interventionsmöglichkeiten, wo das gesprochene Wort versagt und andere Kommunikationsformen gebraucht werden
  • Lernen aus erster Hand von der Traumaexpertin Andrea Wandel

Teilnahmevoraussetzungen:

Die Weiterbildung “Körperorientierte Trauma-Arbeit” dient nicht der therapeutischen Selbsterfahrung. Daher sollten persönliche Klärungsprozesse bereits erfolgt sein oder andernorts in entsprechender Begleitung bearbeitet werden.
Es sollten ein grundlegendes Interesse und Verständnis für ganzheitliche Zusammenhänge sowie persönliche Erfahrungen im Umgang mit der eigenen Empathie- und Wahrnehmungsfähigkeit vorhanden sein.

Vor der Anmeldung zu dieser Weiterbildung ist - soweit Sie sich nicht aus einer bestehenden Arbeit mit Andrea Wandel anmelden - ein Kennenlern-Gespräch mit Jutta Böttcher notwendig. Bei Interesse vereinbaren Sie dafür bitte gern einen Termin unter 04161-714712.

Autor: Jutta Böttcher © 2017

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