Hochsensibilität in der Familie

Die Sprache der Kinder verstehen lernen

Dieses Erdenleben zu beginnen, heißt, sich aus einem umhüllten, sicheren, warmen und in seinen Begrenzungen gut spürbaren Raum in einen weiten Raum hinaus zu entfalten.
Damit wird schlagartig alles anders. Vom Moment unserer physischen Geburt an sind wir auf uns selbst gestellt. Plötzlich müssen alle körperlichen Vorgänge unabhängig vom schützenden Körper der Mutter selbständig funktionieren.

Dieser große weite Raum, in den sich das Kind aus seiner sicheren Umhüllung heraus in das “Eigene” der Körperlichkeit begibt, braucht eines sofort: die Möglichkeit der Orientierung! Die Spur, die sich dafür aufnehmen lässt, heißt ganz einfach “Mama!” – und vielleicht auch “Papa”. Der bekannte Herzschlag, die Stimme, die körperliche Wärme – all das schenkt Sicherheit in einer neuen unbekannten Welt.
Um diesen rettenden Kontakt herstellen und halten zu können, nutzt das Kind all seine Wahrnehmungskanäle. Es ist noch nicht in der Lage in einen fokussierten Kontakt treten zu können. Seine Form von Kontakt jedoch – die ganzkörperliche Wahrnehmung und Kommunikation – ist etwas, das für alle Babys gilt, nicht nur für die hochsensiblen!

Die Sehnsucht hochsensibler Kinder nach “Wieder-Verbindung” ist immens

Vor diesem Hintergrund wird nur allzu verständlich, was es bedeutet, als hochsensibles Wesen auf die Welt zu kommen; die Offenheit des Babys potenziert sich um ein Vielfaches.

Wenn man die frühen, zum Teil “weise” anmutenden Äußerungen auch der ganz kleinen hochsensiblen Kinder betrachtet, die ihnen häufig den Ruf der “kleinen Philosophen” einbringen, könnte man aus einer spirituellen Sicht davon sprechen, dass sie “nicht vergessen zu haben scheinen”, woher sie eigentlich kommen. Sie scheinen einer Quelle von Verbundenheit nahe zu sein, aus der sie mit Leichtigkeit schöpfen können – insbesondere vor Schulbeginn und dem damit einhergehenden starken Fokus auf die mentale Bildung.

Die Sehnsucht der hochsensiblen neuen Erdenbürger nach “Wieder-Verbindung” ist immens. Diese delegieren sie an die liebsten Menschen ihrer Umgebung – an ihre Eltern, die sich manchmal von der fast symbiotischen anmutenden Verbindung überfordert fühlen können. Auf diese Weise kann u. U. ein frühkindliches Bindungs- oder Entwicklungstrauma entstehen, das eine bereits existierende Reizoffenheit weiter verstärken kann. (siehe auch Hochsensibilität und Trauma)

Hochsensible Kinder sind länger in das Feld ihrer Eltern eingehüllt

Mit dem Heranwachsen des kleinen Kindes entwickeln sich auch seine Fähigkeiten der Selbstregulation. Es lernt Schritt für Schritt, sich als ein eigenständiges “Ich” zu empfinden und seine Bedürfnisse zu artikulieren. Immer mehr tritt es aus der Weite der ganzheitlichen Kommunikation über die Körperwahrnehmung in die Möglichkeit einer zielgerichteten Äußerung seiner selbst. In dieser Entwicklung vollzieht sich seine “soziale Geburt”: Erste Möglichkeiten von Beziehungen zu Gleichaltrigen z.B. im Kindergarten entstehen.

In der Begleitung von Familien mit hochsensiblen Kindern hat sich bei Aurum Cordis in den vergangenen Jahren eines deutlich gezeigt: Diese Kinder scheinen länger und intensiver im Feld ihrer Eltern eingehüllt zu sein. Oft genug gibt es daher lange gar keine Probleme mit der Hochsensibilität, und sie ist Eltern häufig auch gar nicht bewusst bis zu dem Zeitpunkt, an dem ihre Kinder diese gewohnte “Hülle” verlassen müssen.

Mit dem Eintritt in Kita oder Kindergarten muss das Kind sich nicht nur auf eine neue Umgebung mit einer völlig veränderten Reizfülle einstellen, sondern sieht sich auch zielgerichteten Anforderungen gegenüber. Plötzlich kann es nicht mehr frei der Pendelbewegung zwischen Aufenthalt im dissoziativen Raum und “Anwesendsein” folgen – eine enorme Aufgabe in der Entwicklung der Regulationsfähigkeit für sein hocherregbares Autonomes Nervensystem! In der Folge kann es zu Auffälligkeiten kommen, die je nach Verhaltenstyp des Kindes Bewertungen zwischen AD(H)S, ADS oder auch Autismus möglich erscheinen lassen.

In ihrer Gesundheit machen hochsensible Kinder aufmerksam auf etwas, was geheilt werden möchte!

In der Betrachtung all dieser möglicherweise auftretenden Schwierigkeiten darf eines jedoch niemals vergessen werden: Reizoffen wie diese Kinder sind, kommunizieren sie weiterhin intensiv über ihre ganz spezielle Sprache, die sich über den ganzen Körper ausdrückt. Abgesehen von den genannten möglichen Faktoren zum Auftreten oder Verstärken von Hochsensibilität, zeigen sie über Auffälligkeiten sowie Beschwerden eine Botschaft, die sich zumeist auf offene Themen in ihrem Umfeld von Familie, Kindergarten und Schule bezieht. Das gilt auch für ältere Kinder und Heranwachsende, denen häufig die Diskrepanz zwischen ihrem inneren, stark ausgeprägten Wertesystem und dem Alltag, der ihnen allerorts begegnet, schwer zu schaffen macht. In ihrer Gesundheit machen hochsensible Kinder also aufmerksam auf etwas, was geheilt werden möchte! Diese Botschaft gilt es zu verstehen, um sie davor zu schützen, “krank geredet” zu werden! In der Regel sind nicht sie zu therapieren, sondern das Thema, auf das sie aufmerksam machen.

Ein Bewusstsein über die eigenen Wahrnehmungsebenen erschließt neue Räume der Begegnung und des Umgangs miteinander

Es ist daher in der Begleitung von Familien mit hochsensiblen Kindern von großer Bedeutung, sich in aller Ruhe und in differenzierter Betrachtung möglichen Faktoren zu nähern, die Hochsensibilität erzeugen oder verstärken können – auch innerhalb der Familie.

Viele Mütter oder auch Väter werden nach der Geburt eines Kindes zum ersten Mal mit ihrer eigenen Hochsensibilität konfrontiert. In der Auseinandersetzung mit der persönlichen Hochsensibilität, die sich häufig im Verhalten des feinfühligen Kindes spiegelt, kann zunächst eine Herausforderung liegen. Vor allem aber kann es die Chance sein, einen großen, bislang verborgenen Schatz zu heben: Durch ein neues Bewusstsein über die Vielfalt der Wahrnehmungsebenen hochsensibler Eltern und ihrer Kinder zeigen sich häufig unentdeckte Ressourcen und neue Wege der Begegnung und des Umgangs miteinander werden möglich. Der Gewinn einer Souveränität über die Hochsensibilität innerhalb der Eltern-Kind-Beziehung kann das Familienleben auf wundervolle Weise bereichern und gleichzeitig entlasten.

Familienberatung und -begleitung bei Aurum Cordis hat das Ziel, die Sprache der hochsensiblen Kinder zu übersetzen und Eltern wie Bezugspersonen zu Experten für diese Sprache und den Umgang mit den daraus resultierenden Erkenntnissen zu machen. Die Sprache dieser Kinder zu verstehen heißt, sich einem Verständnis für ihr Heilsein, ihre Gesundheit und ihrer Weisheit zu nähern, und sich darüber hinaus auch als Eltern noch besser kennenzulernen.


Für weitere Informationen rund um das Thema Hochsensibilität rufen Sie uns gerne unter 04161 - 714 712 an oder schreiben Sie uns unter info@aurum-cordis.de.

Autor: Sabrina Görlitz und Jutta Böttcher © 2017