Hochsensibilität - eine Definition

Der Begriff Hochsensibilität in Analogie zur Hochbegabung existiert noch nicht sehr lange - gewinnt aber ständig an Bedeutung. Die amerikanische Wissenschaftlerin Elaine N. Aron hat ihn 1997 geprägt. Seither sind zahlreiche Bücher dazu erschienen. Es gibt jedoch noch keine offiziell anerkannte Definition, auch wenn schon Einiges an Wissen und Fakten neben einer qualitativen Beschreibung des Phänomens existiert.

Typische Situationen für hochsensible Menschen könnten sein:

Es gibt Menschen, die an ihrer Arbeitsstelle viel schneller als ihre Kollegen zwischenmenschliche Prozesse erfassen und so merken, was dem Arbeitsablauf gut tut und was nicht. Oft genug werden sie dafür mit Argwohn betrachtet, weil sie so unkompliziert erfassen können, was andere vielleicht lieber im Verborgenen gehalten hätten.

Es gibt Menschen, denen große Menschenansammlungen wie in Fußballstadien oder anderen öffentlichen Veranstaltungen wenig Freude bereiten. Schon das Fahren in einem voll besetzten Zug ist für sie unangenehm, wenn nicht gar eine Qual. Die Nähe so vieler anderer Menschen, deren Stimmungen und Verfassungen ein hochsensibler Mensch wahrnimmt, kann ihn schnell überfordern und schwächen.

Viele hochsensible Menschen verurteilen sich für die so leicht und rasch eintretende Reizüberflutung. Sie brauchen mehr Regeneration, mehr Auszeiten. Aber genau das lässt sie nach gültigen gesellschaftlichen Wertmaßstäben weniger leistungsfähig und damit in den eigenen Augen als weniger „wertvoll“ im Dienste der Gemeinschaft erscheinen. Für Hochsensible ist es deshalb sehr wichtig zu verstehen, woher diese Überreizung rührt, was sie bewirkt und welche Wege es gibt, die individuelle Kapazität zur Reizverarbeitung zu erhöhen.

Alle Menschen sind einer ständig wachsenden Flut von Informationen ausgesetzt. Bei hochsensiblen Menschen jedoch treffen diese auf ein reduziertes Reizfiltersystem in ihrem Körper. Damit bleibt der überwiegende Teil der Informationen im Bereich des Bewussten und muss ebenso verarbeitet werden.
Das bedeutet, dass hochsensiblen Menschen nicht nur wesentlich mehr Reize wahrnehmen, sie verarbeiten sie auch viel intensiver. Ihr gesamtes System von Körper, Geist und Seele setzt sich damit auseinander und ist folglich ständig beschäftigt- zusätzlich zu den täglich anfallenden Arbeiten und Belastungen.

Die Krankheitsdisposition von Hochsensibilität ergibt sich daher aus einer Dauerstressbelastung. Alle Erkrankungen, die in Zusammenhang mit Dauerstress erwähnt werden, gehören damit zu den „Gesichtern der Hochsensibilität“ wie z.B. Bluthochdruck, chron. Magen-Darm–Erkrankungen, chron. Muskelverspannungen und Schmerzzustände, Erkrankungen des Bewegungsapparates, ein reduziertes Immunsystem mit einer erhöhten Neigung zu Entzündungen, Depressionen, Burn- out, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Schlafstörungen u.v.m.
Die Therapie dieser Erkrankungen ist langwierig, kostenintensiv und schenkt dem Betroffenen all zu oft keine nachhaltigen Heilungserfolge. Überträgt man die Zahlen von Elaine Aron auf diesen Kreis, so könnte es zumindest für 15-20% der Erkrankten eine gemeinsame Ursache hinter der Vielzahl ihrer Leiden geben, die eine andere als die bisherige Herangehensweise erforderlich macht: ihre feine und ausgeprägte Empfindungsfähigkeit!

Bei diesen Menschen versagen häufig klassische Behandlungsmethoden und Medikamente rufen nicht selten das Gegenteil ihrer eigentlich heilsamen Wirkung hervor. Ihnen bleibt daher eher der Weg zu alternativen Heilmethoden.

Gerade hier kommt die Gabe der Hochsensibilität zum Tragen. Da der größte Teil der aufgenommenen Informationen im Bereich des Bewussten liegt, kann damit auch gearbeitet werden. Das, was den Hochsensiblen schwächt, ist gleichzeitig der Schlüssel zur Aktivierung seiner Selbstheilungskräfte und zur Entwicklung von Selbstkompetenz!

Ein hochsensibler Mensch, der diesen Weg für sich gehen konnte, schöpft aus sich selbst gerade jene Qualitäten, die nicht nur ihn selbst nähren, sondern für unsere Gesellschaft von großer Wichtigkeit sind: hohe Intuition; bildhaftes, vernetztes und mitfühlendes Denken; die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge intuitiv rasch zu erfassen; Kreativität und der Mut zu „anderen“ Lösungen; Einfühlungsvermögen für sein Gegenüber; hohes Gerechtigkeitsempfinden und Mut, dafür einzutreten; sie sind ideale Lehrer, Zuhörer, Erfinder, Ärzte und sozial kompetente Menschen! „Anders“ zu sein, ist damit wichtig - aus dem vermeintlichen Fluch wird ein Segen!