Hochsensible Führungskräfte

Gesund und leistungsfähig in Führung gehen

Die neuronale Disposition, die hochsensiblen Führungskräften zu eigen ist, kann sie in der modernen Arbeitswelt besonders wertvoll machen. Vorausgesetzt, sie werden sich ihrer Hochsensibilität bewusst und nutzen die damit verbundenen Potenziale in ihrer Führungsrolle. Geschieht dies nicht, nehmen sie ihre individuelle Situation meist als extrem belastend wahr, ohne die Ursachen zu kennen oder einen Ausweg zu sehen – sie fühlen sich in einer Falle.

Basierend auf unserer langjährigen Coaching- und Beratungsarbeit können wir die Selbstwahrnehmung vieler hochsensible Führungskräfte in dieser Phase folgendermaßen zusammenfassen:

  • Die im Arbeitsalltag üblichen Stressfaktoren werden zusätzlich verstärkt durch die ausgeprägte und tiefe Wahrnehmungsfähigkeit. Ihre große Empfänglichkeit für Reize führt schnell zu einer Überstimulation des autonomen Nervensystems.
  • Sie leben in einem Spannungsfeld zwischen innerem Erleben und äußeren Anforderungen.
  • Haben sie dauerhaft das Gefühl von fehlender Sinnhaftigkeit und von wiederholten Verstößen gegen ihr Wertesystem, drohen sie zu erkranken.
  • Mit ihrem ausgeprägten Veränderungswillen überfordern sie unbewusst häufig ihre Mitarbeiter und Kollegen.
  • Sie fühlen sich häufig unverstanden und allein.
  • Immer wieder befassen sie sich mit persönlichen Themen von Schuld und Scham und stellen sich daraufhin in Frage, ohne zu wissen, warum.
  • Sie nehmen sich häufig als fremdgesteuert und ohnmächtig wahr und glauben, nur geringe Handlungsspielräume zu haben.
  • Ihre Situation erscheint ihnen wie eine tägliche Abhängigkeit.
  • Eigene kreative Veränderungsideen werden häufig verworfen.
  • Sie meinen, sich anpassen zu müssen, obwohl sie anders fühlen und leiden unter diesem Druck.

Hochsensible Führungskräfte, die in dieser Selbstwahrnehmungsfalle steckenbleiben, neigen dazu,

  • einen übermäßig gemeinschaftsorientierten Führungsstil zu entwickeln
  • sich in Strategiegesprächen zu verzetteln.
  • überzogene strukturelle Vorgaben zu machen.
  • mit übertriebenem Durchsetzungswillen, Härte und Impulsivität zu führen.
  • sich anhand von Durchhalteparolen („Es wird schon irgendwie gehen!”) durch den Alltag zu hangeln.

Wie aber kommen hochsensible Führungskräfte aus dieser Falle heraus? Was ist notwendig, damit sie die mit ihrer Charakterprägung verbundenen Potenziale bewusst nutzen können?

Mit dem von uns entwickelten Integralen Gesundheitscoaching setzen wir an zwei Faktoren an, die wir für grundlegend erachten, damit hochsensible Führungskräfte sich verstanden fühlen und ihr Verhalten nachhaltig verändern können:

  • das Einnehmen des Standpunkts einer Meta-Ebene, der es ermöglicht, sich selbst bewusster zu steuern und
  • die Übereinstimmung von kognitivem und fühlendem Denken

Erst wenn diese Basis gelegt ist und ein Gefühl der Kohärenz entstanden ist, kann die Arbeit an klassischen Coaching-Themen gelingen, wie sie für hochsensible Führungskräfte typisch sind:

● Innere Themen:

  • Innere Konflikte
  • Wertekonflikte
  • Anpassungsdruck
  • Informationsvielfalt
  • Fehlende Sinnhaftigkeit
  • Selbstkritik

● Äußere Themen

  • Zielkonflikte
  • Teamkonflikte
  • Belastungsdruck
  • Zeitdruck
  • Hohe Komplexität
  • Kritik von anderen

Welche Rolle spielt das eigene Wertesystem?

Hochsensible Menschen haben generell ein ausgeprägtes inneres Wertesystem, das sie seit ihrer frühen Kindheit begleitet. Dauerhaft dagegen zu verstoßen, führt zu einem Gefühl des Selbstverrats und schließlich zu Erkrankungen. Solche Wertekonflikte spielen für hochsensible Führungskräfte eine große Rolle.

Im Integralen Gesundheitscoaching werden die Wertevorstellungen sehr bewusst reflektiert und von einer anderen Ebene aus betrachtet. Diese bewusste Auseinandersetzung führt zu einer Relativierung dieser Werte. Die Handlungsspielräume vergrößern sich. Es entsteht eine Souveränität, sich entscheiden zu können, ohne sich selbst verraten zu müssen.


Autor: Jutta Böttcher © 2017