Der Körper als Kompass
Kann der Körper hochsensibler Menschen als eine Art Kompass dienen, der sofort anzeigt, sobald man sich wohl fühlt oder man sich lieber schnell eine Pause gönnen sollte?
Der letzte Blogeintrag ging um Ruhepausen und Zeit, die man sich selbst gönnen könnte, um Reizüberflutung zu minimieren. Aber wann genau braucht man denn eine Pause?
Klar braucht die jeder anders. Wieder kann ich auf mehr als ein Jahr Erfahrung bei Aurum Cordis zurückgreifen. Und es scheint so, als hätten hochsensible Menschen einen deutlichen Kompass in ihrem Körper, der ihnen sofort sagt, wann es zu viel wird.
Viele spüren es körperlich mit unterschiedlichen Symptomen oder Anzeichen, dass jetzt echt nichts mehr aufgenommen werden kann. Die Akkus sind leer und man selbst völlig erschöpft. Geht euch/Ihnen das auch so?
Hypothetisch angenommen, dem wäre so, dann müsste man doch wieder lernen können, darauf zu achten. Und dann könnte man beginnen, so schnell, wie die Situation es eben zulässt, sich eine Auszeit zu nehmen… Oder?
Und gibt es körperliche Anzeichen dafür, dass man gerade gut für sich sorgt und es einem fantastisch geht?
Ich freu mich auf euer/Ihr feedback und die Erfahrungen, die ihr/Sie gemacht haben. Und mit Glück, hat der eine oder die andere von euch/Ihnen auch super Tipps auf Lager, wie man sich in solchen Situationen geschickt verhalten kann.
Autor: Britta SeitzKommentare
Liebe Carosa,
leider habe ich zu “deinem Tick” keine Idee… aber vielleicht jemand anderes?
Herzliche Grüße und nur das Beste im neuen Jahr!!
Britta Seitz schrieb am 14.01.2011 um 15:45 Uhr
Liebe Winnetatz,
wie wahr – ein kluger Körper. Ich freue mich sehr mit dir, dass du deinen Körper und seine Signale als Freund an deiner Seite hast!
Leider erschrecken diese deutlichen Signale, das, was du „Nachhilfe“ nennst, viele Menschen. Vor allem, wenn sie sich damit allein gelassen fühlen und nicht verstehen, woher es kommt. Denn der Körper ist anscheinend – nach den Erfahrungen, die wir hier sammeln – das wahrnehmungsstärkste Instrument, das Hochsensible zur Verfügung haben. Ich gratuliere dir sehr dazu, dass du dein „Instrument“ so gut „spielen“ kannst!!
Alles Liebe
Aurum Cordis
i.A. Britta Seitz
carosa schrieb am 02.12.2010 um 18:32 Uhr
Mein Tick
Nicole schrieb am 2.8.10 etwas von Ticks. Ich hörte davon auch vor kurzem. Danach sind Ticks nervöse Reaktionen auf Impulse von außen die bei mir Stress und Angst erzeugen. Ich habe da seit meiner Kindheit etwas, das mich verzweifeln lässt, weil ich es mehr als alles andere auf der Welt nicht willendlich und auch nicht methodisch abstellen kann. Ich beiße auf meine Mundschleimhäute - merke das immer erst später - kann es dann zeitweilig lassen - bis ich mich wieder dabei beobachte. Nichts hat bis jetzt fünktioniert. Heute, nachdem ich mich auf diesen Seiten als hochsensibel erkannt habe, denke ich, dass es damit zusammenhängt und möchte gern wissen, was ich wohl dagegen tun kann. Nicole sagte, sie hätte etwas gefunden.
herzlicht carosa
Winnetatz schrieb am 02.12.2010 um 11:16 Uhr
Kluger Körper
Bevor ich von meiner Hochsensitivität erfuhr, war ich ein Jahr lang in einem Unternehmen beschäftigt, in dem ich mich, trotz netter Kollegen, nicht wohlfühlte. Mein Körper signalisierte mir ständig, dass das nicht gut für mich war, bis hin zu einem nicht selbst verschuldeten Unfall auf dem Weg zur Arbeit. Aber der Kopf meinte immerzu, ich müsste mich durchbeißen. Im Nachhinein weiß ich, dass es meine Hochsensitivität war, die mich die Missstände so scharf sehen und erleben ließ. Ich bin meinem Körper dankbar für diese Form der “Nachhilfe”! Jetzt, seit ich weiß wer und was ich bin, wundere ich mich nicht mehr, sondern kann meine Stärken und Schwächen viel besser akzeptieren und annehmen.
Jutta Böttcher schrieb am 12.11.2010 um 16:45 Uhr
Danke Vergissmeinnicht
Danke, liebes Vergissmeinnicht, dafür, dass Du uns und die Menschen, die Deinen Text lesen werden, zu Zeugen Deines Weges werden lässt! Darin wird sich auch so manchen wieder finden.
Dein selbst gewähltes Synonym “Vergissmeinnicht” sollte Wegmarkierung für Deine weiteren Schritte sein ! Wie viele Hochsensible scheinst Du ganz selbstverständlich immer beim “anderen” gewesen zu sein. Die Unterscheidung zwischen dem, was zur eigenen Person gehört und dem, was als Lastenträger übernommen wird, fällt dann so schwer.
Dann kann der Körper gar nicht anders, als sich lautstark zu Wort zu melden. Er wird zur Bühne, auf der das komplexe Stück aufgeführt wird. In vielen Fällen ist er damit in seiner Heftigkeit erschreckend. Aber auch in der Deutlichkeit seiner Sprache nicht misszuverstehen.
Wir weisen immer wieder darauf hin, dass Hochsensibilität zwar Leidensdruck machen kann. Durch die Reizüberflutung entsteht Dauerstress und Krankheitsdisposition. Auf der anderen Seite jedoch schenkt die niedrige Reizschwelle sehr viel Bewusstsein, das für den eigenen Weg eingesetzt werden kann. Und darin liegt ein wesentlicher Schritt zur Übernahme von Selbstverantwortung und Gesundung.
So scheint es mir auch bei Dir zu sein! Wie gut für Dich und wie schön für Deine Tochter, eine Mutter zu haben, die diesen Kreislauf durchbrechen möchte.
Ich freue mich sehr, dass Du Dich verstanden gefühlt hast, als Du unsere Seite gelesen hast !
Herzliche Grüße Aurum Cordis Jutta Böttcher
Vergissmeinnicht schrieb am 02.11.2010 um 11:45 Uhr
Bulimie als Weg?
Mit dreizehn entwickelte ich die Essstörung, und ich weiß noch ganz genau, dass meine Mutter mich “Möpschen” genannt und mich auf die Waage geschickt hatte bevor es losging mit den Essanfällen.
Ich hatte schon in früher Kindheit so feine Sensoren für die Ängste und Bedürfnisse meiner Eltern, besonders meiner Mutter, die irgendwann auch zu erzählen anfing, wie schrecklich sie als Kind von ihren Eltern vernachlässigt, geschlagen und wie ein Dienstmädchen gehalten wurde, mein Vater regelrecht gefoltert in einem Kellerraum mit selbst gebauten Züchtigungswerkzeugen. (Bitte kürzen Sie den Text in Abstimmung mit mir, wenn Sie es für besser halten).
Meine Ahnungen in Verbindung mit diesem Wissen haben in mir eine ganz große Angst gegenüber meiner Mutter wachsen lassen, ich bin in Traumwelten geflüchtet, war schrecklich unkonzentriert und vergesslich und fühlte mich in den meisten Situationen verloren und unpassend. Eine vermutete Hochbegabung, die meine Grundschullehrerin bei mir vermutete, wurde von meinen Eltern zugunsten der Normalität in der Familie nicht weiter verfolgt.
Mit der Zeit, mit dem Erwachsenwerden hat sich meine Angst abgekapselt und ich habe begonnen, mich selbst zu ignorieren, um wenigstens in das Erwachsenenleben zu passen. Ich habe über zehn Jahre lang im Beruf alles gegeben und dabei viel ausgestanden, weil ich unterdrückte, dass jede Faser meines Wesens, meines Körpers, nach Ruhe, Begrenzung und Innenschau lechzte. Später, als ich meine Tochter in mir trug, und auch noch während der Stillzeit, hatte ich einen guten Grund, ein bisschen zu verlangsamen, und versuchte es nach meinen Möglichkeiten, was aber nicht ausreichte, denn die Kleine kam 7 Wochen zu früh zur Welt. Sie geht nun bald in die Schule, und auch sie ist intelligent, dabei schnell reizüberflutet und hat Konzentrationsprobleme. Sie kann auf der anderen Seite, schon seit sie sprechen kann, manchmal scheinbar Gedanken lesen, besonders meine, und die meiner Mutter (!). Und ich bin voller Selbstzweifel und Angst, so also schließt sich der Kreis.
Es gibt aber Hoffnung für mich: Mein Körper sendet mir dauernd Signale, will mir wohl zeigen, dass etwas falsch läuft. Über Jahre zeigten sich in genau passenden Überforderungssituationen die entsprechenden Symptome oder Krankheiten: begonnen mit der Essstörung, über Hörsturz, Erschöpfungszustände, Sehnenscheidenentzündung oder chronische Atemwegserkrankungen in jedem Winter.
Nun bin ich seit 2009 in der zweiten Runde meiner Therapie der Bulimieerkrankung, und heute, zum ersten Mal, bin ich auf Ihre Seite gestoßen und fühle mich verstanden.
Viele Grüße Vergissmeinnicht
Britta Seitz schrieb am 06.08.2010 um 13:49 Uhr
Liebe Nicole,
herzlich willkommen bei Aurum Cordis!
Wie schön, dass du dich geäußert hast! Danke. Deine Worte haben mich berührt.
Auch mein Körper zeigt deutlich, wenn ich zu lange zu weit über meine Grenzen hinausgegangen bin. Und wie bei dir helfen auch bei mir Ruhe und nahrhaftes Essen. Meistens brauche ich zudem auch noch Bewegung – sei es spazieren gehen, joggen, oder etwas anderes.
In deinen Worten klingt für mich ein Umbruch auf vielen Ebenen mit. Ich freue mich, dass du den Weg in die Kraft gehst – das liegt uns bei Aurum Cordis sehr am Herzen!
Alles Liebe Britta Seitz
Nicole schrieb am 02.08.2010 um 14:28 Uhr
körperlicher Seismogrpah
Mein Körper hat mir definitv immer schon gezeigt, wann ich mich wohl oder unwohl gefühlt habe in meinem Leben. Als ich jünger war, habe ich darauf wenig geachtet -ich konnte die Störungen besser kompensieren als ich es heute kann. Einige Krankheiten haben mich im Laufe meines Lebens eines besseren belehrt. Derzeit habe ich bei einem “Zuviel” Ohrenrauschen, so als hätte ich einfach genug “gehört”, gesehen, gefühlt. Ich benötige regelmäßig Abstand von Menschen.
Mir tut Ruhe gut und regelmäßiges, nahrhaftes Essen, das in Ruhe eingenommen wird. Ich sorge mittlerweile dafür, dass ich meist genügend Getränke und Essen dabei habe, wenn ich unterwegs bin.
Wenn echt nichts mehr geht, hilft nur noch ausruhen. Wenn das nicht möglich ist, dann verwende ich zur Überbrückung energetische Möglichkeiten, d. h. ich schaffe mir einen Raum, in dem nur ich mich befinde. Ich schütze mich mit Hilfe von Energie und Vorstellungskraft so gut ich kann, stelle mir vor, wie ich mit Rosen umgeben bin und sende Liebe aus. Meist nehme ich dann andere Menschen trotz körperlicher Schwäche nicht sofort persönlich - d. h. ich habe die Kraft, nicht zu explodieren - und ich schaffe es bis zur nächsten Pause.
Ich starte die Tage meist schon so, dass ich mich auf diese Weise schütze. Das gelingt mir an den Stellen, wo ich den Schutz nicht selbst von innen wieder niederreiße, was durchaus immer noch wieder vorkommt.
Wenn ich irgendetwas in meinem Leben nicht verstehe, dann zeigt mein Körper mir ziemlich schnell, dass etwas hakt. Manchmal ist es auch so, dass der Körper meiner Tochter da nachhilft - sie gehört definitiv auch zu den Hochsensiblen.
Wenn ich mich überfordert habe, dann hat mein Körper mit Kopfschmerzen, Schwindel und mit Ticks geantwortet. Manche dieser Ticks haben mich seit meiner Kindheit begleitet. Im letzten Jahr habe ich erfolgreich daran gearbeitet, den einen zu verstehen und ihn weitgehend loszulassen. Das war nichts, was ich sofort und mit einer Ruhepause hinbekommen habe. Dazu habe ich mehr Anlauf benötigt.
Ich denke, dass alles zusammen dazu geführt hat, dass ich mich insgesamt besser fühle als vor einigen Jahren: Energiearbeit, viel mehr Ruhe, viel Schlaf, wunderbar nahrhaftes Essen, andere Freunde, Jobwechsel und das Finden meiner eigenen Bestimmung. Insgesamt geht es meinem Körper seither wesentlich besser.
Auf jeden Fall muss ich auf meinen Körper hören, sonst weiß ich, dass ich ziemlich schnell komplett ausgelaugt bin.
